Wie wurde aus der „Vergangenheitsbewältigung” der 1950er die „multiperspektivische Erinnerungskultur” von heute? Um welche Perspektiven geht es hier eigentlich – und um welche Kultur(en)? Was sollen und wollen wir erinnern – und wie arbeiten wir daran, dass alle gehört werden? Und wie korrespondiert die Erinnerungsarbeit mit dem „Kampf gegen Rechts” und der Kulturarbeit? Ist Erinnerungskultur überhaupt ein Werkzeug des antifaschistischen Widerstands oder muss sie für sich stehen? Zur Eröffnung der Jahreskonferenz 2025 diskutieren wir ihre drei Themen im Zusammenhang und bereiten das Feld: vom „Historikerstreit 2.0” über Cancelculture bis zu den Herausforderungen und Chancen aktivistischen Engagements und welche Rolle die Kunst darin spielen kann. Nach einem Impulsvortrag von Miriam Zadoff diskutieren Prof. Dr. Tanja Thomas, Mirjam Zadoff und Julian Warner, Moderation: Martín Valdés-Stauber.
Prof. Dr. Tanja Thomas ist Professorin für Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Transformationen der Medienkultur. Sie forscht zu Medien und Migration, Erinnerungskultur in der Mediengesellschaft, rechter Gewalt, Rassismus und Medien, Partizipation und Protest aus einer geschlechter-, erinnerungs- und kulturwissenschaftlichen (Medien-)Perspektive. Ihre Projekte zu Medien, Migration und Erinnerung wurden mehrfach von deutschen und internationalen Forschungsstiftungen (Volkswagenstiftung, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Deutsche Israel-Stiftung) gefördert. Mit ihrem Projekt und dem gleichnamigen Podcast „Doing Memory“ trägt sie bei zur einer Thematisierung des Erinnerns an Opfer rechter Gewalt in medialen Öffentlichkeiten. Zu ihren Veröffentlichungen im Themenfeld gehören u.a. ein Band zu Rechte Gewalt erzählen. Doing Memory in Literatur, Theater und Film oder zwei Schwerpunktausgaben zu feministischem Erinnern in der Zeitschrift feministische studien.
Martín Valdés-Stauber studierte Soziologie und Wirtschaftswissenschaften in München, Friedrichshafen, Berkeley und Cambridge. Von 2017 bis 2023 war er Dramaturg an den Münchner Kammerspielen. Seit 2023 ist er Dramaturg an der Schaubühne. Regelmäßig entwickelt Martín Projekte mit dem Münchner Jewish Chamber Orchestra. Seit 2018 erforscht er im Langzeitprojekt SCHICKSALE die Biographien der im NS-Regime Verfolgten unter den Mitarbeiter*innen der Münchner Kammerspiele. 2021 gründete er den internationalen, künstlerischen Forschungsbereich „Erinnerung als Arbeit an der Gegenwart”. Seine Regiearbeit „TIME BUSTERS” (Münchner Kammerspiele) war 2024 eingeladen zum Theatertreffen der Jugend.

© Julius Ertelt
Julian Warner ist ein deutsch-britischer Theatermacher. Er ist künstlerischer Leiter des Brechtfestivals Augsburg 2023-25. Julian co-kuratierte Performing Arts Festivals für das Künstler*innenhaus Mousonturm, die Münchner Kammerspiele und die Berliner Sophiensaele. Er ist Herausgeber eines Sammelbandes zu Problemen der postkolonialen Kritik in Deutschland: After Europe. Beiträge zur dekolonialen Kritik (Verbrecher Verlag, 2021) und war 2022-23 Gastprofessor für Dramaturgie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Julian ist Präsidiumsmitglied des IfA – Institut für Auslandsbeziehungen und Artistic Fellow am Käte Hamburger Kolleg global:disconnect an der LMU München.

© Connolly Weber Photography
Mirjam Zadoff ist Kuratorin, Historikerin und Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München. Sie lehrt an den Münchner Universitäten Ludwig-Maximilian-Universität und Technischen Universität und ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Zu ihren aktuellen Publikationen zählen der Essayband „Gewalt und Gedächtnis. Globale Erinnerung im 21. Jahrhundert“ (2023) sowie „Trotzdem sprechen“ (2024), gemeinsam herausgegeben mit Lena Gorelik und Miryam Schellbach, sowie „Fragile Demokratien. Was freie Gesellschaften bedroht – und was sie zusammenhält.“ mit Paul-Moritz Rabe und Denis Heuring.

© Heidi Seywald
Colette Schmidt wurde 1971 in Kanada geboren und wuchs in Graz auf, wo sie Germanistik und eine Medien-Fächerkombination studierte und als Magistra abschloss. Ab 1990 schrieb sie bei der Grazer Tageszeitung Kleine Zeitung Kuns- und Theaterrezensionen. 1994 Jahren wechselte sie in die Grazer Redaktion der Tageszeitung DER STANDARD, wo Politik, Chronik und Kultur aus der Steiermark berichtete. 2017 wechselte sie innerhalb des STANDARD nach Wien in das Innenpolitik und Chronik-Ressort. Schwerpunkte ihrer journalistischen Arbeit sind Rechtsextremismus und Menschenrechte. Sie ist seit 2018 Betriebsratschefin des STANDARD VERLAGS. Neben ihrer journalistischen Arbeit verfasste sie auch immer wieder Texte fürs Theater. 2022 wurde sie mit dem Journalismuspreis „von unten“, den die Armutskonferenz für eine „tiefgründige und respektvolle Armutsberichterstattung“ vergibt, ausgezeichnet. 2024 erhielt sie den Concordia Preis für Pressefreiheit. Ebenfalls 2024 wurde sie mit dem Elfriede-Grünberg-Preis für ihren Einsatz gegen Rassismus und Rechtsextremismus ausgezeichnet.