Die Claims Conference in Person von Cornelia Levi und Dr. Ruth Kinet traf mit der Redaktion die Auswahl der Interviewpartner, ermöglichte den Zugang zu ihnen, bereitete die Interviews mit vor, beteiligte sich an deren Durchführung sowie an der Gestaltung der Beiträge.
Für die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte haben Zeitzeugnisse seit jeher eine bedeutende Rolle bei der Darstellung der Vergangenheit, vor allem bei Themen zum Nationalsozialismus, insbesondere des Holocaust. Auch die Claims Conference versteht es seit mehr als 60 Jahren als zentrales Element ihres Auftrags, dafür zu sorgen, die jüdische Erinnerung an die Shoah an die nachkommenden Generationen weiterzugeben.
Mit Berichten von Aviva Goldschmidt, Assia Gorban, Ernst Grube, Dr. med. Peter Kenedi, Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Ruth Melcer, Franz Michalski, Natalia Raksina, Herbert Rubinstein, Eva Szepesi, Marian Wajselfisz, Dr. med. Leon Weintraub, Ruth Winkelmann, Dr. med. Eva Umlauf, Prof. Dr. Boris Zabarko.
Die Interviews führten Peter Hartl, Andrzej Klamt, Tina Adlersztejn, Gabriela Hermer und Dr. Ruth Kinet.
Produktion: Andrzej Klamt, Halbtotal Film.
Redaktion: Stefan Mausbach
Projektleitung: Stefan Brauburger.
Link zu allen Interviews in der ZDF-Mediathek
Aviva Goldschmidt, geb. 1938, geboren in Boryslaw, damals Polen, heute Ukraine, wurde ins Zwangsarbeiterlager von Boryslaw verschleppt und überlebte dort im Versteck. Sie emigrierte nach Israel. Nach dem Armeedienst kam sie nach Deutschland. Aviva hat jahrelang das Sozial-Referat der Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland geleitet. Sie lebt in Frankfurt am Main.
Assia Gorban, geb. 1933 in Mohyliw-Podilskyi, Ukraine, wurde 1941 in das Ghetto ihrer Stadt verschleppt und kurz danach ins Todeslager Petschora. Sie floh mit der Mutter zurück nach Mohyliv-Podilskyi und überlebte dort im Versteck. Assia Gorban wurde Lehrerin und unterrichtete an einer Schule in Moskau. Seit 1992 lebt sie in Berlin. Assia Gorban ist Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Berlin und leitet die Berliner Gruppe von Shoah-Überlebenden „Phoenix aus der Asche“.
Ernst Grube, geb. 1932 in München, Deutschland, wurde 1942 gemeinsam mit seiner Schwester und seinem Bruder in das Barackenlager Milbertshofen verschleppt, danach in das Sammel-Lager in Berg am Laim. Im März 1943 konnten die Kinder zu den Eltern zurückkehren. 1945 wurde Ernst Grube mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in das Lager Theresienstadt verschleppt und dort bei Kriegsende befreit. Nach der Befreiung wurde er zunächst Malermeister. Später machte er Abitur und wurde Berufsschullehrer. Als Mitglied der KPD wurde Ernst Grube mehrmals verhaftet. Er ist Präsident der Lagergemeinschaft Dachau, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und Mitglied im politischen Beirat des NS-Dokumentationszentrums der Stadt München.
Dr. med. Peter Kenedi, geb. 1938 in Budapest, Ungarn, überlebte mit seiner Familie im Ghetto Budapest. Peter Kenedi studierte Medizin, wurde Internist und Kardiologe und war jahrelang Chefarzt im Diakonissen-Krankenhaus in Frankfurt am Main.
Dr. h. c. Charlotte Knobloch, geb. 1932 in München, Deutschland, wurde von ihrem Vater unter einer falschen Identität bei einer Bekannten in Mittelfranken versteckt. Seit 1985 ist sie Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Von 2006 – 2010 war sie Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Ruth Melcer, geb. 1935 in Tomaszów Mazowiecki, Polen, wurde 1942 in das Ghetto ihrer Geburtsstadt gezwungen, nach Aufenthalt in Ghettos und einem Arbeitslager im besetzten Polen, 1944 mit ihren Eltern nach Auschwitz verschleppt, wo sie das Kriegsende erlebte. Ruth Melcer lernte und studierte in Israel und in Deutschland, sie lebte und arbeitete in Augsburg. Zurzeit lebt sie in München und ist Autorin eines Kochbuches.
Franz Michalski, sel. A. (1934 – 2023), geboren in Breslau, damals Deutschland, heute Polen, entging mit seiner Familie der drohenden Verschleppung durch die Flucht in die Steiermark und ins Sudetenland. Nach dem Krieg absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung und heiratete seine Frau Petra. Er war Geschäftsführer eines Unternehmens der Boehringer-Mannheim-Gruppe.
Natalia Raksina, geb. 1931 in Leningrad, Russland, überlebte mit ihrer Familie im Zweiten Weltkrieg die deutsche Blockade von Leningrad, heute St. Petersburg. Nach dem Krieg studierte sie Medizin und wurde leitende Kinderärztin in Leningrad. Nach 1990 emigrierte sie nach Deutschland und lebt in Köln.
Herbert Rubinstein, geb. 1936 in Czernowitz, damals Rumänien, heute Ukraine, entging mit seiner Familie knapp der drohenden Verschleppung aus dem Ghetto Czernowitz ins Vernichtungslager. Nach der Befreiung emigrierte er zunächst in die Niederlande, später nach Düsseldorf. Er führte zusammen mit seinem Stiefvater eine Damengürtelfabrik und engagierte sich ehrenamtlich als Vorstandsmitglied in der Jüdischen Gemeinde. Herbert Rubinstein war von 1996 bis 2009 Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde im Rheinland.
Eva Szepesi, geb. 1932 in Budapest, Ungarn. Sie fand 1944 zunächst in verschiedenen Familien in der Slowakei Unterschlupf, wurde nach ihrer Entdeckung mit dem letzten Transport nach Auschwitz-Birkenau verschleppt, wo sie die Befreiung erlebte. 1954 zog sie mit ihrer Familie nach Frankfurt am Main, wo sie zusammen mit ihrem Mann ein Pelzgeschäft führte. Für ihr Engagement als Zeitzeugin hat Eva Szepesi zahlreiche Ehrungen erhalten.
Marian Wajselfisz, geb. 1938, in Warschau, Polen, wurde mit seiner Familie in das Ghetto Otwock gezwungen. Sie konnten sich in ein Kellerversteck retten, wo sie zwei Jahre lang ausharrten. So konnten sie dem Konzentrationslager entkommen, bis sie 1944 von der Roten Armee befreit wurden. Nach der Shoah ging die Familie zunächst nach Deutschland. Marian Wajselfisz zog kurze Zeit später zu Verwandten nach Argentinien. In den 1960er-Jahren kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in Berlin nieder. Er wurde Gastronom und betrieb eine Diskothek. 1970 gründete Wajselfisz zusammen mit Freunden den TuS Makkabi Berlin.
Dr. med. Leon Weintraub, geb. 1926 in Łódź, Polen, wurde 1940 mit seiner Mutter und seinen vier Schwestern ins Ghetto Litzmannstadt gezwungen, wo er Zwangsarbeit leistete. Im August 1944 wurde er mit seiner Mutter und drei Schwestern nach Auschwitz-Birkenau verschleppt. Er überlebte auch die Konzentrationslager Groß-Rosen, Flossenbürg und Natzweiler-Struthof sowie einen Todesmarsch. Nach der Befreiung studierte er in Göttingen Medizin und wurde Gynäkologe und Geburtshelfer. Nach seiner Rückkehr nach Polen 1950 arbeitete er zunächst in Warschau. 1966 wurde er Oberarzt an der Frauenklinik in Otwock. Als 1968 der Judenhass in Polen wieder aufbrandete, verlor er seine Anstellung. Weintraub emigrierte 1969 mit seiner Familie nach Stockholm, wo er bis heute lebt.
Ruth Winkelmann, geb. 1928 in Berlin, Deutschland, erlebte als Zehnjährige die Novemberpogrome 1938 in Berlin. Im Februar 1943 wurde ihr Vater nach Auschwitz-Birkenau verschleppt. Ruth Winkelmann musste sich mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester in einer Laubenkolonie in Berlin-Wittenau verstecken. Zugleich war sie verpflichtet, Zwangsarbeit in einer Uniformfabrik zu leisten. Nach der Befreiung wollte Ruth Winkelmann Lehrerin werden, aber das Studium wurde ihr verwehrt. Sie machte eine Ausbildung zur Konfektionärin und reiste zusammen mit ihrem Mann viel durch die Welt. Bis heute engagiert sie sich als Zeitzeugin.
Prof. Dr. Boris Zabarko, geb. 1935 in Kalininske, Ukraine. Er wurde in das unter rumänischer Besatzung errichtete Ghetto von Scharhorod gezwungen. Gegen Kriegsende versteckte er sich auf der Flucht vor deutschen Truppen mit etwa 30 Ghetto-Bewohnern in unterirdischen Tunneln. Boris Zabarko ist promovierter Historiker. Er hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Berichte von Shoah-Überlebenden in der Ukraine zu sammeln. Boris Zabarko ist Autor von mehr als 200 Büchern und Fachartikeln über die Shoah und Präsident der Allukrainischen Vereinigung der jüdischen KZ- und Ghetto-Überlebenden.
Dr. med. Eva Umlauf 1942 geboren im Zwangsarbeiterlager Nowáky, Slowakei. Sie wurde 1944 als Kleinkind mit ihrer schwangeren Mutter und ihrem Vater aus der Slowakei nach Auschwitz-Birkenau verschleppt. Sie erkrankte dort schwer. Nach der Befreiung kehrte sie mit ihrer Mutter und ihrer neugeborenen Schwester in die Slowakei zurück. Sie studierte Medizin in Bratislava. 1967 wanderte sie mit ihrem Mann, der US-Staatsbürger war, nach München aus. Sie studierte Medizin, wurde Fachärztin für Kinderheilkunde und später auch für psychotherapeutische Medizin. Sie lebt in München.