Im Sommmer 2024 hat der Nürnberger Stadtrat die Entscheidung für die Interimsspielstätte der Oper im Innenhof der Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände beschlossen. Was bedeutet diese Entscheidung für die Vergangenheitsbewältigung vor Ort und welche Verantwortung geht für die Kunst mit ihr einher? Anhand der konkreten Nürnberger Situation diskutieren der Architekturtheoretiker Stephan Trüby, der Chefdramaturg der Oper Nürnberg Johannes Casimir Eule und Hans-Joachim Wagner, Leiter der Stabsstelle Ehemaliges Reichsparteitagsgelände bei der Stadt Nürnberg über den Umgang mit rechten Räumen und kontaminierter Architektur.
Johann Casimir Eule ist Stellvertreter des Staatsintendanten und Stellvertretender Operndirektor am Staatstheater Nürnberg. Er studierte in München Theaterwissenschaft, Neuere Deutsche Literatur sowie Philosophie. Als Dramaturg war er in u. a. Augsburg, Biel/Solothurn, Gelsenkirchen und Nürnberg engagiert. 2018 wurde er Chefdramaturg und Stellvertreter des Intendanten an der Semperoper Dresden. Zudem verfasst er Opernbearbeitungen für Kinder und hat Lehraufträge für Theatergeschichte/Dramaturgie inne.
Stephan Trüby ist Professor für Architekturtheorie und Direktor des Instituts Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (IGmA) der Universität Stuttgart. Zuvor war er Professor für Temporäre Architektur an der HfG Karlsruhe, leitete das Postgraduiertenprogramm MAS Scenography/Spatial Design an der Zürcher Hochschule der Künste, lehrte Architekturtheorie an der Harvard University und war Professor für Architektur und Kulturtheorie an der TU München. Zu seinen wichtigsten Büchern gehören „Exit-Architektur. Design zwischen Krieg und Frieden (2008), „The World of Madelon Vriesendorp“ (2008, mit Shumon Basar), „Germania, Venezia: Die deutschen Beiträge zur Architekturbiennale Venedig seit 1991 – Eine Oral History“ (2016, mit Verena Hartbaum), „Absolute Architekturbeginner: Schriften 2004-2014“ (2017), „Die Geschichte des Korridors“ (2018) und „Rechte Räume: Politische Essays und Gespräche“ (2020).

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Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Deutsche Philologie. Er ist als Kulturmanager, Kurator, Wissenschaftler und Autor tätig. Nach Tätigkeiten am Theater Koblenz und den Bühnen Köln war er zunächst Musikreferent im Kulturdezernat der Stadt Köln, dann zwischen 2006 und 2017 Fachbereichsleiter für Musik und Darstellende Künste bei der Kunststiftung NRW. 2018 übernahm er die Leitung des Büros für die Bewerbung Nürnbergs um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025; seit August 2021 ist er Leiter der Stabsstelle Ehemaliges Reichsparteitagsgelände im Geschäftsbereich der Bürgermeisterin der Stadt Nürnberg und verantwortet hier u.a. die Entwicklung des Lern- und Begegnungsortes Zeppelinfeld und Zeppelintribüne und der Kongresshalle zu einem Ort der Künste und Kulturen.
Bastian Zimmermann lebt in München und arbeitet frei in den Bereichen Musik und Performance. Als Dramaturg arbeitet er mit Künstler*innen wie dem Solistenensemble Kaleidoskop, Yael Ronen und Neo Hülcker. Er ist Herausgeber des Magazins Positionen – Texte zur aktuellen Musik und kuratiert Projekte wie „Music for Hotel Bars“ und das Festival Musik Installationen Nürnberg. Sein Fokus liegt auf sozialen Aspekten des Musikmachens, experimentellen Musikkonzepten und der Hinterfragung bürgerlicher Strukturen in der zeitgenössischen Musik.