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programm
17:00–18:30 Staatstheater Nürnberg/Foyer 3. Etage
Podiumsgespräch

Ist die Sprache das Einzige, was sich vor Zerstörung und Vertreibung retten lässt? Dieses Panel erkundet, wie Sprache Traumata transportiert, Verständigung ermöglicht und Grenzen des Sagbaren aufzeigt – im Spannungsfeld von Verlust, Erinnerung und Dialog.
Is language the only thing that can be saved from destruction and displacement? This panel explores how language carries trauma, facilitates understanding, and reveals the limits of the expressible — amid loss, memory, and dialogue. Mit Sivan Ben Yishai, Mohammad al Attar, Anna Kolomiitseva, Moderation: Tina Hartmann

Posttraumatic Drama – Stages of Remembering

Wie prägen Kriegs-, Krisen- und Fluchterfahrung das Schreiben? Ist die Sprache das Einzige, was sich vor Zerstörung und Vertreibung retten und in ein anderes Land, eine andere Kultur und einen anderen Sprachraum mitnehmen lässt? Wie kann man einander zuhören und verstehen, wenn die erlernte Sprache zugleich die Sprache des Desasters ist? Reproduziert sich die Freund- und Feindlogik fernab des Kriegsschauplatzes? Traumata sind per se an individuelle Körper und Erinnerungen gebunden, wie lässt sich also über diese Erfahrungen sprechen und wo sind die Grenzen des Sag- und Darstellbaren?

How do experiences of war, crisis, and flight shape writing? Is language the only thing that can be saved from destruction and displacement and carried into another country, culture, and linguistic space? How can we listen to and understand each other when the learned language is simultaneously the language of disaster? Does the logic of friend and foe reproduce far from the battlefield? Traumas are inherently tied to individual bodies and memories, so how can we speak about these experiences, and where are the limits of what can be said and represented?

Veranstaltung in englischer Sprache

In Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung

© Mohammad Al Attar

Mohammad al Attar is a Syrian writer, playwright, and essayist currently based in Berlin. His work bridges the realms of documentation and fiction, establishing him as an important chronicler of war-torn Syria. His plays have been performed in various languages at prominent international theaters and festivals, including Volksbühne Theater, HKW Berlin, and Ruhrtriennale in Germany, Avignon Festival and Festival d’Automne in Paris, France, Lincoln Center in New York, Kunsten Festival in Brussels, Royal Court Theatre in London, Teatr Powszechny in Warsaw, and Adelaide Fringe Festival in Australia, among others. In addition to his stage writings, Al Attar has contributed to numerous magazines and newspapers, focusing on the Syrian uprising and its resulting conflicts since 2011.

@ Amit Jacobi

Sivan Ben Yishai, geboren 1978, lebt seit 2012 in Berlin. Mit dem Stück „LIEBE/Eine argumentative Übung“, das im Rahmen ihrer Hausautor*innenschaft am Nationaltheater Mannheim entstand, wurde sie zum Mülheimer Dramatikpreis 2020 eingeladen. Für „WOUNDS ARE FOREVER (Selbstportrait als Nationaldichterin“), das sich mit der palästinensisch-israelisch-deutschen Geschichte beschäftigt, erhielt sie den Mülheimer Dramatikpreis 2022. Like Lovers Do (Memoiren der Medusa)“ in einer Inszenierung der Münchner Kammerspiele (Regie: Pınar Karabulut) war 2022 zum Berliner Theatertreffen eingeladen, 2023 war sie dort mit „Nora. Ein Thriller“ von Sivan Ben Yishai, Henrik Ibsen, Gerhild Steinbuch, Ivna Žic (Regie: Felicitas Brucker) vertreten. 2023 war sie Dramatikerin des Jahres der Kritiker*innen-Umfrage von Theater heute für „Bühnenbeschimpfung (Liebe ich es nicht mehr oder liebe ich es zu sehr?)“ und erhielt den Theaterpreis Berlin, 2024 den Mülheimer Dramatikpreis für „Nora oder Wie man das Herrenhaus kompostiert“. Ihre Stücke werden von der Autorin Maren Kames ins Deutsche übersetzt.

Matthias Baus

Tina Hartmann ist Professorin für Literaturwissenschaft an der Universität Bayreuth.  Sie publizierte u.a. zu Librettologie, Literatur der Aufklärung, J. W. v. Goethe und C. M. Wieland. Aktuell forscht sie zur Rekanonisierung von Autorinnen sowie nonbinären, philosemitischen, egalitären und antirassistischen Positionen des 18. Jahrhunderts sowie deren Spiegelungen in der Moderne. Sie verfasste zahlreiche Opernlibretti, publiziert regelmäßig zu Genderthemen und ist Literaturkritikerin der FAZ. Soeben erschienen bei Reclam „Vergesst Kant! Was war und ist Aufklärung wirklich?“ Und bei Transcript „Patrix – patriarchale Matrix und ihre Verdinglichung“ (mit Elena Köstner).

Tina Hartmann is Professor for Literature at the University of Bayreuth. She published on Librettology, Literature of the Age of Enlightenment, J.W. v. Goethe and C.M. Wieland. Current research focusses on recanonization of female authors, nonbinary, philosemitic and antiracist positions in 18th century literature and their modern reclaim. She wrote several opera librettos, publishes on gender and is literary critic for the Frankfurter Allgemeine Zeitung. Recent books are „Vergesst Kant! Was war und ist Aufklärung wirklich?“ (Reclam) and and „Patrix – patriarchale Matrix und ihre Verdinglichung“ (with Elena Köstner; Transcript).

Anna Kolomiitseva wurde in Charkiw geboren. Sie studierte an der Nationalen Universität Charkiw Germanistik und Übersetzung und arbeitete dort auch als Dozentin. Seit 2011 ist sie freiberufliche Übersetzerin und arbeitet als Konferenzdolmetscherin für Ukrainisch, Deutsch und Englisch. In Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ist Anna Kolomiitseva im April 2022 nach Berlin geflüchtet, wo sie aktuell lebt. Anna Kolomiitseva ist zudem als Autorin tätig, u. a. für den MDR, ihr Kriegstagebuch wurde in der Zeitung Die Presse veröffentlicht. 2025 werden ihre Novellen in einem ukrainischen Verlag publiziert.

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