2025 geht der Kleist-Förderpreises für neue Dramatik an Miriam Unterthiner für ihr Stück „Blutbrot“. Der Kleist-Förderpreis ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro dotiert und mit einer Uraufführungsgarantie verbunden, die in diesem Jahr vom Theater Aachen übernommen wird.
Seit 1996 vergeben die Kleist-Stadt Frankfurt (Oder), das Kleist Forum und die Dramaturgische Gesellschaft jährlich den Kleist-Förderpreis für neue Dramatik. Die einzige Bedingung für die Bewerbung ist, dass die Autorinnen und Autoren bislang nicht mehr als einen Text zur Uraufführung gebracht haben. „Es ist der erste Jahrgang, bei dem wir die Beschränkung des Höchstalters von 35 Jahren aufgehoben haben. Uns erreichten Texte von Autorinnen und Autoren im Alter von 24 bis 75 Jahren mit einem sehr breiten Themenspektrum aus den unterschiedlichsten Lebensrealitäten“, sagt Florian Vogel, der Künstlerische Leiter des Kleist Forums und Vorsitzender der Jury des Kleist-Förderpreises. Der Preis gilt als Wegbereiter vieler, mittlerweile international renommierter Autorinnen und Autoren. Neben dem Preisgeld erfahren die Preisträgerinnen und Preisträger vor allem durch die Uraufführungsgarantie des ausgezeichneten Stücks eine größtmögliche Förderung.
In der Jury-Begründung heißt es: „Bitte, geben Sie mir einen Chor!“ ruft die Figur der „Autorin“ zu Beginn des Stücks dem aufführenden Theater zu – mit Recht! Denn einen Chor, den braucht es, für ein Stück, in dem es um Kollektivschuld geht, um ein „Wir“, das verschiedene Gestalten annehmen kann; und um ein Geschehen, an dem Viele beteiligt waren: Die Helferinnen und Helfer, die es NS-Funktionären wie Erich Priebke, Adolf Eichmann, Gerhard Bast oder Josef Mengele ermöglichten, über den Brennerpass nach Südtirol zu fliehen, erst nach Rom und schließlich bis nach Südamerika.
Was sich scheinbar „am Rand“ der Geschichte abspielte und in der kollektiven Erinnerung heute eher in Vergessenheit geraten ist, wird von Miriam Unterthiners Stück „Blutbrot“ ins Licht gestellt, und zwar als Kontinuität: Der Boden, auf dem das geschah, bringt das Brot hervor, das wir heute essen sollen. Können wir es kauen, schlucken und verdauen? Oder bekommen wir es nicht mehr hinunter?
Auch die Landschaft, ein Postkartenidyll, beginnt, sich zu wehren – und sogar das Schweigen fängt an, zu sprechen. Poetisch verdichtet und zugleich konkret, formal virtuos und kraftvoll, mit feinem Humor und großen Bildern gräbt sich „Blutbrot“ wortwörtlich in die Vergangenheit, die sich bis heute in den Körpern abgelagert hat. Und fast wie nebenbei kreuzt in die eine Fluchtgeschichte auch eine andere hinein, die von Angst vor „Überfremdung“, von Ressentiment und Feindseligkeit geprägt ist. Wie stellen wir uns dieser Schuld? Was machen wir mit unserem Wissen? Was ist eigentlich diese „Heimat“ – und für wen? „Blutbrot“ schlägt die Brücke ins Heute, mit einer treffenden Metapher und poetischer Dringlichkeit.“
